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Hitler kein Ehrenbürger“ Stadt distanziert sich (FLZ vom 30.04,2009)

Dr. Kupser stellt bezüglich der Diskussion um die nationalsozialistischen Ehrenbürger einige Fragen in den Raum bzw. an den Vorsitzenden der Bürgerbewegung für Menschenwürde: „Worum geht es dem Vorsitzenden der Bürgerbewegung für Menschenwürde? Warum beharrt er auf einen Stadtratsbeschluss in dieser Sache? Ist er überhaupt von den noch lebenden Ehrenbürgern der Stadt legitimiert, sich zu ihrem Fürsprecher zu machen? Warum ignoriert er einen einstimmigen Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2009?“

In der Amtszeit von OB Seidel ist der Stadtrat 2009 der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion beigetreten. Kennt Herr Rach diesen Beschluss nicht? Der Ansbacher Stadtrat hat in diesem ganz klar Stellung zu dem unrühmlichen Kapitel deutscher Geschichte bezogen.

In derselben Sitzung hat sich der Ansbacher Stadtrat eindeutig von den damaligen Vorgängen distanziert. Wörtlich heißt es in dem Protokoll der Sitzung: „Es werde aber explizit darauf hingewiesen, dass sich die Stadt Ansbach ausdrücklich von dem willfährigen Handeln des damaligen Stadtrats und der Ehrenbürgerschaft Hitlers distanziere.“

In der FLZ konnte man 2009 lesen: „Man verstehe den Eintrag der Ehrenbürgerschaft als Mahnung an die nachfolgenden Generationen, sich dieses unrühmlichen Kapitels deutscher Geschichte stets zu erinnern.“

Ich sehe daher keine Notwendigkeit einen symbolischen Stadtratsbeschluss herbeizuführen. Für mich erhält dieses sehr ernste Thema durch Herrn Rachs Forderung einen eher populistischen Beigeschmack“, resümiert Dr. Kupser.

Im Februar 2020 lehnten sowohl Landrat Dr. Ludwig als auch die damalige OB Carda Seidel anlässlich der Trauerfeier zu den Geschehnissen von Hanau jeglichen Rassismus ab. Im November 2020 bekannte Bürgermeister Bucka in seiner Rede zum Volkstrauertag „Wachsender Nationalismus …, Hass und Hetze gegen Flüchtlinge, Andersgläubige und Politiker dürften keinen Platz haben in unserer Gesellschaft.“ So sieht nach meiner Auffassung Engagement für eine pluralistische Demokratie aus. Wir müssen aus der Geschichte lernen und Konsequenzen für unser gegenwärtiges Handeln ziehen!

Die Bürgerbewegung für Menschenwürde sollte sich in diesem Sinne mehr zu gegenwärtigen Problemen äußern, z.B. die Unterdrückung Andersdenkender in der Türkei, China oder in Russland, die Zustände in Belarus, die Flüchtlingsproblematik … .“

Das Erstarken des Rechtpopulismus muss differenzierter in Augenschein genommen werden. Die Aufarbeitung der Geschichte ist das eine, die Lösung gegenwärtiger Verstöße gegen die Menschwürde das andere. Ein „populistischer Tunnelblick“ ist hier jedenfalls nicht das passende Instrumentarium!

Gez. Dr. Paul Kupser, Stadtrat